März/April 2026
Jessica Tille
ghostwriter drowning
Eröffnung: 21. März, 18 bis 21 Uhr
Laufzeit: 22. März bis 25. April 2025
kuratiert von Alexander Pütz

Grafik: George Popov
In einer Gegenwart, die von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und technischem Fortschrittsglauben geprägt ist, werden Herkunft, Autor:innenschaft und Wahrheitsanspruch von Inhalten zunehmend unsicherer. In ihrer Einzelausstellung ghostwriter drowning beschäftigt sich Jessica Tille mit medialen Verfahren als Träger von Wissen und Wahrnehmung. Dabei stellt sich die Frage, wie sich Sprache, Identität und Körper unter diesen Bedingungen verändern?
Ausgehend von Ghostwriting und Voice Cloning richtet Jessica Tille den Blick auf Verfahren, die Text und Stimme von einem eindeutigen Ursprung lösen. Sie interessiert sich für Formen der Kopie, Verdopplung und Simulation und für die gesellschaftlichen Auswirkungen in unserer Gegenwart. Ein wichtiger Bezugspunkt ist dabei die Logik aktueller gegenwärtiger KI-Systeme, deren Texte häufig aus einer Vielzahl von Quellen synthetisiert werden und auf diese Weise Zuschreibungen von Fakt und Fiktion verwischen. Zugleich greift die Ausstellung Zukunftsversprechen des Silicon Valley auf, in denen technologische Optimierung, ökonomische Interessen und neue Glaubensformen ineinandergreifen und propagiert werden.
Inhalte wie diese übersetzt die Künstlerin in eine Installation aus Video, Sound und Objekten. Im Zentrum steht eine geklonte Stimme, die sich durch digitale Bildräume und standardisierte Sprachformen bewegt, fremdes Material verarbeitet und fortwährend Output erzeugt. ghostwriter drowning untersucht KI nicht nur als technische Anwendung, sondern als kulturelle Bedingung, die im Begriff ist unsere Wahrnehmung und Identität neu zu formen. Die Ausstellung fragt damit nicht nur, wie Sprache heute produziert wird, sondern auch, welche kulturellen Folgen diese Verschiebungen haben.
Jessica Tille (geb. 1993 in Schmalkalden) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf und schloss dort 2025 als Meisterschülerin von Prof. Gregor Schneider ab. Während ihres Studiums war sie Gast in den Klassen von Prof. John Morgan und Prof. Ed Atkins.
In ihren medienübergreifenden Installationen untersucht Tille das Verhältnis von Technologie und Körper. Mit Performance, Video, Sound und Objekten verhandelt sie Fragen von Identität, Erinnerung, Übersetzung sowie die Verschiebungen zwischen Realität und Fiktion. In ihrer Arbeit bilden Körper und Materialien ein offenes System, in dem das Verhältnis von organischen und technischen Strukturen zentral sind.
Ihre Arbeiten waren unter anderem in der Julia Stoschek Foundation (2025, 2023), im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen (2024), im Kunstmuseum Solingen (2024), im E-Werk Luckenwalde (2024), bei FUSE Zürich (2024) und im BACC Bangkok Art and Culture Centre (2023) zu sehen. Sie erhielt unter anderem das Deutschlandstipendium (2023), ein DAAD-Reisestipendium (2023) sowie den BEST-Projektpreis der Kunstakademie Düsseldorf (2025). Residencies führten sie unter anderem zu Artists Unlimited in Bielefeld (2025) und an den Palazzo Ricci in Montepulciano (2022).
Juli 2026
HOMA EMAMI
AM RAND DER DINGE
Kuratiert von Peter Lodermeyer
Moltkerei Werkstatt e.V., Köln
10.–19.Juli 2026
Homa Emamis Ausstellung mit dem Titel „Am Rand der Dinge“ will Kunst als Prozess, als Suche nach neuen, offenen und flexiblen Konstellationen erfahrbar machen. Die aus dem Iran stammende, seit 1986 in Deutschland lebende Künstlerin wird in enger Abstimmung mit dem Kurator Peter Lodermeyer in der Moltkerei Werkstatt eine vielteilige Installation erarbeiten, die persönliches Archivmaterial und Objekte aus früheren Jahren mit neu zu entwickelnden Arbeiten in Beziehung setzt. „Am Rand der Dinge“ bezeichnet für Emami eine grundsätzliche Haltung, in der sich biografische Realität und künstlerische Praxis berühren: „In meinen Arbeiten spiegeln sich die Erfahrungen von Bewegung, Migration, politischer Sensibilität und innerer Transformation wider“. Wichtiger als die Dinge selbst sind in diesem Zusammenhang deren Ränder, Verbindungsstellen, Übergänge und Kontraste. Von besonderer Bedeutung sind die Zwischenräume, die Reibungszonen, in denen sich Erinnerungen, Ahnungen und Assoziationen verdichten und wo sich zeigt, was über die Zeit hinweg bleibt, was zerbricht und wo etwas Neues beginnt.
Mit freundlicher Unterstützung durch

Mitglied bei